Köln: 21.–24.11.2019

FOREVER YOUNG

Wie war wohl das Lebensgefühl im Rheinland Ende der 1960er-Jahre? Die Deutschen hatten ihre vom Krieg zerstörten Städte, so schnell es ging, wiederaufgebaut, die erfolgreiche Industrie sorgte für Arbeitsplätze, und viele Familien erfreuten sich am wachsenden Wohlstand. Aus dem vom Krieg verursachten, traumatischen Gefühl des Verlusts von Gewissheiten, von Traditionen und der materiellen Umgebung, der Städte, der Häuser, des Besitzes erwuchs eine große Sehnsucht nach schönen alten Dingen, nach wertvollen Einrichtungsgegenständen und Kunst aus allen Jahrhunderten. Auch die Kunst der klassischen Moderne war nun sehr gefragt. Die große Epoche des Sammelns brach an.

Zur rechten Zeit

Da kam die »Westdeutsche Kunstmesse Köln-Düsseldorf« genau zur rechten Zeit. Gegründet 1970 vom Rheinischen Kunsthändler-Verband, ist die Messe seit mittlerweile 50 Jahren ein Forum für Schätze aus drei Jahrtausenden. Anfangs fand sie jährlich abwechselnd in einer der beiden Städte statt.

Der erste, schmale Kölner Katalog zeigt den Lageplan der Stände: Der größte von drei Bereichen war Kunsthandwerk, Ikonen, antiken Möbeln und Skulpturen vorbehalten, gefolgt von Gemälden und Grafik alter und neuer Meister und einem überschaubareren Bereich für Antiken und Ethnologika. Im Foyer von Anfang an mit dabei: die Buchhandlung Walther König und die weltkunst. Über viele Jahre waren die Galerien für klassische Moderne und Nachkriegskunst, Antiquitätenhändler und Antiquare innerhalb der Messe nach Bereichen getrennt. Erst 2008 wurde diese Trennung aufgehoben.

Beflügelnder Crossover

Anfangs wachte der Rheinische Kunsthändler-Verband streng über die nationale Ausrichtung der Messe. Erst 1991 setzte sich die Koelnmesse durch und ließ auch ausländische Händler zu. Der Wandel setzte sich im Standort fort: Seit 1997 findet die Messe nur noch in Köln statt. 2003 schlossen sich die Messen Kunst Köln und die Antiquariatsmesse Köln dem gemeinsamen Termin an. COLOGNE FINE ART hieß die Messe ab 2006, im Jahr darauf wechselte der Termin vom Frühling in den Herbst. Seit dieser Zeit profitiert sie, und mit ihr das kulturinteressierte Publikum, alle zwei Jahre von der parallel laufenden EXPONATEC, der internationalen Fachmesse für Museen, Konservierung und Kulturerbe – auch 2019 wieder.

Crossover ist das Schlagwort, das Sammler beflügelt und sich auch auf der Messe zeigt: Nachkriegskunst und Biedermeiermöbel, Perserteppiche und Malerei der Gegenwart. Weltweit spielt der Bereich Design eine immer größere Rolle, das spiegelt sich auch auf der Kölner Messe wider. Der neue Direktor Daniel Hug, auch für die ART COLOGNE verantwortlich, hat diese Entwicklung nun auch im Namen der Messe verankert: Seit 2019 heißt sie COLOGNE FINE ART & DESIGN. Nach wie vor steuert ein Beirat aus Händlern und Galeristen die Zulassung zur Messe. Eine unabhängige Jury aus angesehenen Experten überprüft sämtliche Objekte.

Schönheit bleibt

So wie die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen sich im Lauf der Zeiten wandeln, so geht auch die Messe mit der Zeit und vertraut dabei auf nationale und internationale Händler sowie die vielen Sammler aus dem Rheinland und ganz Europa, die ihrem Sinn für Schönheit aus allen Epochen und Weltteilen auf der Messe immer wieder neue Nahrung geben und jedes Mal etwas Altes oder Neues für sich entdecken.

Text: Lisa Zeitz