Köln: 21.–24.11.2019

VIER IM FOKUS

Vier von 95 Ausstellern: Netsuke bei Hans-Martin Schmitz, farbenfrohe Köln-Korea-Verbindungen bei Choi&Lager, Schönheit aus dem Mittelalter bei Elmar Robert, Familienbande bei Stern Pissarro.

Schätze der Seidenstraße – Hans-Martin Schmitz

Seit 50 Jahren ist Hans-Martin Schmitz mit japanischer Kunst auf der Messe vertreten. Die Geschichte der COLOGNE FINE ART & DESIGN ließe sich ohne ihn kaum erzählen.

Schon als Student interessierte sich Hans-Martin Schmitz für ostasiatische Kunst. Dabei war er nicht für Japanologie oder Sinologie eingeschrieben, sondern für Jura. Nach den Vorlesungen arbeitete er sich mit seinem Kommilitonen Adalbert Offermann in das Sammelgebiet ein. Früh folgten die beiden der Devise »learning by doing«: Sie machten sich bei Händlern schlau und blieben länger in der Bibliothek, um zu Netsuke und Inrō, orientalischen Waffen und Holzschnitten, zu recherchieren.

Mit Anfang 20 hielt Schmitz zum ersten Mal ein japanisches Schwert, ein sogenanntes Katana, in Händen. »Die Schmiedetechnik dieser Schwerter ist unübertroffen und das Design und die Ausführung unvergleichlich«, schwärmt er.

Den Grundstein für seinen späteren Kunsthandel legte er als Gaststudent in London: Für seinen Freund Offermann kaufte er beim legendären Ostasiatika-Händler Douglas Wright einen Farbholzschnitt. Was für die beiden jungen Männer als spielerischer Nebenerwerb begann, wurde nach dem Staatsexamen professionalisiert.

1964 starteten sie als Händlerduo mit Sitz in Köln und Wuppertal. In den 1970er-Jahren unternahm das Duo Ein- und Verkaufsreisen nach Japan, doch schon bald kristallisierten sich ihre wichtigsten Handelsquellen heraus: private Angebote, Auktionen, Nachlässe und Händlerkollegen. Entscheidend wird hierbei auch die Westdeutsche Kunstmesse, die 1970 ihren Auftakt feierte – mit Schmitz und Offermann als Ausstellern der ersten Stunde.

Seitdem hat sich viel verändert. Hans-Martin Schmitz betreibt den Kunsthandel heute in Eigenregie, unterstützt von seiner Frau. Wer noch einen Ansporn für die eigene Kollektion braucht, kann sich bei Schmitz’ Präsentation zu Netsuke auf der diesjährige COLOGNE FINE ART & DESIGN inspirieren lassen.

Text: Laura Storfner

Zwischen den Welten – Choi&Lager

Das Schicksal brachte Sunhee Choi und Jari Lager vor 15 Jahren zusammen. In Köln und Seoul zeigt das Duo heute, wie nah sich koreanische und europäische Gegenwartskunst sind.

Die Geschichte der Galerie Choi&Lager beginnt mit einer glücklichen Fügung im London der Nullerjahre. Kaum jemand erscheint zur Eröffnung von Sunhee Chois Gruppenschau aufstrebender koreanischer Künstler.

Als einer der wenigen Gäste taucht Jari Lager auf, Inhaber der Londoner Union Gallery. Spontan holt er Choi als Beraterin in sein Team. Auch nach ihrem Umzug nach Paris bleiben die beiden in Kontakt und beschließen 2012, gemeinsam eine Galerie in Köln zu eröffnen. Im Rückblick der ideale Standort: »Köln hat eine lebendige lokale Kunstszene und eine angesehene Kunstmesse. Im Vergleich zu London und Paris sind die Betriebskosten hier erschwinglich – das gab für uns den Ausschlag«, sagt Choi.

Dass ihre Schwester Jinhee zur selben Zeit in Düsseldorf studierte und heute die beiden Inhaber als Direktorin unterstützt, erwies sich als »Kismet«. Inzwischen unterhält Choi&Lager eine zweite Dependance in Seoul.

Die spannende Mischung aus zeitgenössischen koreanischen Künstlerinnen und Künstlern, ergänzt um deutsche, französische und britische Positionen, stößt in Korea auf großes Interesse. Aber auch am Rhein ist die Neugier und Offenheit für koreanische Positionen greifbar. »Köln verströmt eine künstlerische Energie, die durch die reiche Vielfalt an etablierten und entstehenden Künstlern und Institutionen geprägt ist«, sagt Jinhee Choi.

Vor diesem Hintergrund schätzen die Chois die unaufgeregte Atmosphäre der COLOGNE FINE ART & DESIGN, wo sich professionelle Sammler und einheimische Kunstinteressierte begegnen. Für ihre Koje setzen Choi&Lager in diesem Jahr auf die Gemälde von Helena Parada Kim und Fotoarbeiten von Scott McFarland.

Text: Laura Storfner

Schönheit zum Anbeten – Elmar Robert

Wer im Rheinland nach mittelalterlicher Kunst sucht, kommt an Elmar Robert nicht vorbei. Der studierte Theologe handelt mit Heiligenfiguren, die in ihrer strengen Reduktion an moderne Skulpturen erinnern.

Alles steht mit allem in Beziehung, davon ist Elmar Robert nicht bloß überzeugt: Der Kölner Händler hat die Maxime zu einem Lebensprinzip gemacht. Dass er vor knapp 20 Jahren in Köln auf den älteren Kollegen Gerd Naescher stieß und sich von dessen Leidenschaft für mittelalterliche Kunst anstecken ließ, bezeichnet Robert rückblickend als »alles entscheidend für die weitere Zukunft«. In seinen Galerieräumen macht er Zusammenhänge sichtbar, indem er Skulpturen so platziert, dass es zu einem Dialog zwischen den Materialien, Themen und Darstellungen kommt. Sein Hauptaugenmerk liegt heute auf exquisiten Objekten sakraler Provenienz.

Zur COLOGNE FINE ART & DESIGN bringt der Händler eine gekrönte Heilige mit, die um 1270 im Rhein-Maas-Gebiet entstand. »Ein herausragendes Werk, was Qualität und Ausarbeitung anbelangt«, sagt Robert. Und dass Stücke von dieser musealen Qualität im Kunsthandel kaum mehr anzutreffen seien.

Flankiert wird dieses Highlight von weiteren Spitzenstücken wie einer Skulptur der Anna Selbdritt aus dem späten 15. Jahrhundert mit Resten originaler Fassung. Dazu gesellen sich eine Darstellung Marias mit dem Jesuskind und weitere Exempel höchster Handwerkskunst, die dem Mittelalter solche Heiligenfiguren von einzigartiger Schönheit und Anziehungskraft bescherte. Diese Figuren geben Robert »Inspiration und Kraft« für das tägliche Leben. Was für ihn durchaus mit ihrem religiösen Ursprung zu tun hat.

Dass man sie heute auch mehr aus ästhetischem Blickwinkel betrachten kann, ist für ihn allerdings ebenso nachvollziehbar. Beidem will Elmar Robert gerecht werden, wenn er auf der Messe nach dem »Weniger ist mehr«-Prinzip seinen Objekten viel Raum gibt, damit sie wirken können.

Text: Christiane Meixner

Geboren, um zu handeln – Stern Pissarro Gallery

Als Urenkelin von Camille Pissarro hat Lélia Pissarro die Kunst im Blut. Gemeinsam mit ihrem Mann David Stern hat sie sich auf impressionistische, moderne und zeitgenössische Meister spezialisiert.

Mitte der 1980er-Jahre verknüpften sich die Biografien der beiden: »Ich begegnete Lélia, weil ich an Werken ihres Großvaters und Urgroßvaters interessiert war«, erzählt David Stern. Lélia Pissarro ist nicht nur selbst Malerin: Sie hatte auch schon in jungen Jahren Einblicke in den Kunstmarkt gewonnen. »Meine Mutter hat mit Kunst gehandelt, genauso wie meine Großmutter. Wir reden über eine Künstlerfamilie, die heute in der fünften Generation existiert«, sagt Lélia Pissarro. Um die Kontinuität der familiären Leidenschaft zu betonen, entschlossen sich die beiden, die Geschichte der Stern Pissarro Gallery offiziell 1964 beginnen zu lassen, als Sterns Vater seine Galerie in Israel gründete.

Die erste gemeinsam organisierte Ausstellung fand 1989 in der englischen Provinz statt. »Die Schau hatte keinerlei Publicity, aber sie wurde für uns zu einem vollen Erfolg«, sagt Lélia Pissarro. Betritt man heute das modernistische Target House im gediegenen Londoner Stadtteil St. James’s, erinnert nichts mehr an die improvisierten Anfänge: Eine Etage der Galerie bleibt Künstlern der Pissarro-Familie vorbehalten, die andere zeigt die Entwicklung der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Die Auswahl für Köln beinhaltet etwa Max Liebermanns Gemälde »Enkelin und Kinderfrau im Nutzgarten« (1923), Werke von Yayoi Kusama, Otto Piene und Paul Jenkins und natürlich auch ein Gemälde von Camille Pissarro, »Bords de l’Oise, environs de Pontoise« (1872), dessen Preis bei rund 750.000 Euro liegt. Um bei Stern Pissarro fündig zu werden, muss man allerdings kein Millionär sein, die beiden haben auch bewusst eine Kategorie für Kunst unter 5.000 Pfund.

Text: Fabian Ellermeyer