Köln: 16.–20.11.2022 #colognefineart

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Magische Statuen des Kongo als Messe-Sonderschau in Köln

Tief in der religiösen Welt des alten Afrikas wurzeln die magischen Figuren vom Unterlauf des Kongo, die auf der diesjährigen COLOGNE FINE ART & DESIGN als Sonderschau zu sehen sind.

Die Schöpfer dieser Werke entstammen dem Volk der Teke, Nachfahren eines der großen, längst untergegangenen Königreiche Zentralafrikas. Die rituellen Figuren, oft eingepackt von einem Bündel mit magischem Material, sollten den unmittelbaren Zugang zu einer anderen Welt ermöglichen: Einst verkörperten sie die Macht der Ahnen und die Kraft der Naturgeister.

In ihrer ganzen Vielfalt längst von Sammlern weltweit als Kunstwerke geschätzt, sind sie heute ein unverwechselbarer Beitrag zum Reichtum der Kulturen Afrikas. Die Sonderausstellung mit ihren mehr als 40 Stücken ist eine Kooperation der Koelnmesse mit der auf die Kunst Afrikas spezialisierten Galerie Simonis in Düsseldorf.

Teke - Magische Statuen des Kongo

Auch die Kräfte der Ahnen verlangten Beachtung

Die Teke glaubten nach Tradition der meisten afrikanischen Völker an ein einziges oberstes Wesen, dessen Gunst durch die Hilfe von Schutzgeistern erworben werden kann. Generell sahen sich die Teke sowohl von der Kraft dieser Geister als auch von der Wirkmacht der Ahnen abhängig. Die Geister verlangten kultische Verehrung, denn sie können Gutes und Böses bewirken.

Auch die Kräfte der Ahnen verlangten Beachtung, da sie für das Wohlergehen der Nachkommen sorgen, bei Verletzung gesellschaftlicher Regeln aber auch straften. Afrikanische Ahnen sind damit eine Möglichkeit, um mit der alltäglichen Dualität von Wohlbefinden oder Unglück umgehen zu können. Diese rituelle Praxis lässt deutlich die enge Verschränkung von sozialer und religiöser Bedeutung des Ahnenkultes erkennen.

Figuren die nicht geholfen hatten wurden zerstört oder weggeworfen

Die Statuen sind Repräsentanten der Verstorbenen, sind gleichsam Behälter ihrer Seelen. Ihre tonnen- oder kugelförmige magische Ladung enthält daher oft körperliche Reste von ihnen wie Haare oder Fingernägel; beigemischtes weißes Kaolin symbolisiert die Knochen der Vorfahren. Der Heiler/Priester ist derjenige, der zur Aktivierung der rituellen Wirkung die magische Masse aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ingredienzen in den länglichen Hohlraum im Bauch der Figur einfüllt oder eben mittels einer Lehmkugel an ihr befestigt.

Figuren, die nicht im erhofften Sinn gegen Krankheit, Jagdunfälle und anderes Unglück geholfen hatten, wurden aber auch ohne großen Respekt zerstört oder weggeworfen, wie Feldforscher berichten. Nicht wenige Stücke sind wohl auf diese Weise in den Handel und schließlich in europäische oder amerikanische Sammlungen gekommen.

Teke - Magische Statuen des Kongo

Der Bart ist Symbol männlicher Autorität und Weisheit

Die Schnitzwerke mit hölzernem Körper von zylindrischer Grundgestalt entstehen durchweg in strenger Frontalität: Der Schnitzer teilt sich das Holz in drei etwa gleich große Segmente für Kopf, Torso und Beine ein und beginnt beim Gesicht mit seinem vorspringenden Mund und der kantigen Bart-Kinnpartie. Auch bei nur flüchtigem Betrachten fällt neben den kompakten Paketen magischer Ladung sofort die dichte Tätowierung paralleler Narben auf, die die bereits Kindern eingeschnittene wirkliche Gesichtszier der Männer wiedergibt.

Der Bart ist Symbol männlicher Autorität und Weisheit; er unterstreicht die kraftvolle Ausstrahlung der Teke-Skulpturen. Da der Körper ohnehin unter dem Medizin-Paket nahezu ganz verborgen ist, hat der Schnitzer die Arme, wenn sie überhaupt existieren, eher nachlässig dargestellt. Auffällig sind die kunstvollen Frisuren, die dem noch heute bei besonderen Anlässen getragenen Haarstil der Führungselite nachgebildet sind. Sie haben die Form eines Kammes, einer Sichel oder Ähnlichkeit mit einer auf dem Hinterkopf getragenen Kappe.

Der Kontrast zwischen den ausdrucksstarken, sorgfältig geschnitzten Köpfen und dem rauen Medizinpaket, das die Figur erst zu einem von der Wirkkraft der Ahnen und Naturgeister beseelten Ritualobjekt werden lässt, macht die Spannung des Schnitzwerks als visuell überzeugende Darstellung nicht-irdischer Mächte aus. Die geheimnisvollen Materialien, von Lehm und Stoff dick ummantelt, verwandeln die fast monströs verformten Skulpturen zu regelrechten Assemblagen, die für westliche Augen nur schwer verständlich sind.

Die Kunst Afrikas hat generell ihre Spuren in Malerei, Grafik und Skulptur der Moderne Europas hinterlassen: Klare Hinweise speziell auf die Stilistik der Teke-Köpfe mit ihren kubistisch anmutenden Formen und den „Schraffuren“ der Gesichtsnarben sind insbesondere bei den expressionistischen „Brücke“-Künstlern zu bemerken. Ihnen ist die Verschmelzung der spezifischen Ästhetik der Teke-Figuren mit ihrer eigenen revolutionären Formensprache in der Umbruchzeit europäischer Kunst gelungen.

TEKE - Ritual Figures
Henricus Simonis (Hrsg.)
Gerd Korinthenberg (Autor)

Buchcover Teke - Magische Statuen des Kongo