Köln: 19.–22.11.2020 #colognefineart

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BAUHAUS

19.11.2019

Bauhaus in Köln

Die Möbel und Objekte, die an der weltberühmten Kunstschule in Weimar und Dessau entstanden, sind so gefragt wie nie. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses präsentiert die COLOGNE FINE ART & DESIGN einen exklusiven Pavillon, bespielt von drei Bauhaus-Händlern.

An einem wunderschönen Frühsommertag verabreden sich drei Kunsthändler mit Daniel Hug, dem neuen Chef der COLOGNE FINE ART & DESIGN, in Berlin in der riesigen Altbauwohnung mitsamt Galerie von Ulrich Fiedler, einem der Händler. Die drei Kunsthändler, neben Ulrich Fiedler Hendrik A. Berinson und Thomas Derda, sind guter Stimmung. Grund des Treffens ist ein gemeinsamer Auftritt auf der COLOGNE FINE ART & DESIGN. Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums soll es dort einen Bauhaus-Pavillon geben, 200 Quadratmeter groß, bespielt von den drei Galeristen. Ein musealer Auftritt, der der Messe und ihrem neuen Schwerpunkt auf Design zusätzliches Gewicht verleihen soll.

Drei Spezialisten, eine Inszenierung

Ein Pingpong der Ideen beginnt. Schnell ist man sich über die Aufteilung einig: Ulrich Fiedler, der Mitte der 1980er-Jahre in Köln seine Galerie eröffnete und mit ihr Pionierarbeit für das »Modern Design« leistete, ist für die Möblierung des Pavillons verantwortlich. Als weltweit führender Händler für Bauhaus-Originale wird er u. a. die raren Breuer-Sessel zeigen.

Das Programm für die Wände übernimmt Hendrik A. Berinson. Schon als Teenager begann er, Fotografien zu sammeln, heute ist er eine internationale Institution auf dem Gebiet der »klassischen Fotografie«. Zu seiner Auswahl für Köln zählen geometrisch-klare Architekturfotografien von Marianne Brandt, Collagen von Hubert Hoffmann und Kurt Kranz, Zeichnungen von Karl Peter Röhl sowie eines der Bauhaus-Produktfotos von Lucia Moholy.

Thomas Derda, der jüngste Händler im Bunde, fühlt sich für die »ephemeren Dinge« zuständig. Sein Hauptaugenmerk liegt auf Drucksachen, etwa Katalogen oder Werbezetteln, die wegen ihrer avantgardistischen Typografie und der kreativen Gestaltung von Sammlern und Museen immer stärker nachgefragt werden. Mit einem frühen Katalog der Muster von Bauhaus-Produkten, den László Moholy-Nagy gestaltet hat und von dem nur drei Exemplare bekannt sind, reist er nach Köln.

Völlig neue Schönheit

Die größte Aufmerksamkeit im Bauhaus-Pavillon wird Marcel Breuers Armlehnstuhl B3 auf sich ziehen, den Ulrich Fiedler mitbringt. Seit 1925 Jungmeister am Dessauer Bauhaus und Leiter der dortigen Möbelwerkstatt, hat der erst 24-jährige Breuer damals das Wohnen und Sitzen praktisch neu erfunden. Es waren vor allem Breuers Stahlrohrmöbel, die mit ihrer raffinierten Klarheit Furore machten. Doch das zuvor nie Gesehene war nur wenigen zugänglich; erst seit den Sechzigerjahren begann das Interesse an Bauhausmöbeln zu wachsen. Nun erst wurde einer jüngeren Generation bewusst, was die avantgardistischen Entwerfer der Zwanziger erreicht hatten. Der Mensch schwebte nun freischwingend über dem Boden.

Neben Breuer war es Ludwig Mies van der Rohe, der als Möbelentwerfer das Bild vom Bauhaus prägte. Sein berühmtestes Möbel, als Reedition heute der Inbegriff von modernem, luxuriösem Design, ist auch das komplizierteste: der »Barcelona«-Sessel, 1929 für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in der katalanischen Metropole entworfen. Ulrich Fiedler schätzt, dass heute nur noch fünf bis sechs Vorkriegsexemplare erhalten sind. 300.000 bis 400.000 Euro würde einer dieser Sessel kosten – wenn überhaupt mal einer am Markt auftauchen würde.

Rare Originale

Ein fundamentales Problem für jeden Sammler liegt darin, dass sich Bauhaus-Möbel oft nur schwer datieren lassen. Denn sie waren nicht als Unikate, sondern für die Serienproduktion konzipiert oder trugen zumindest die Reproduzierbarkeit als programmatischen Aspekt in sich. Und doch ärgert es die drei Kunsthändler, wenn es sich Kollegen zu einfach machen und etwa auf Auktionen nur das Entwurfsdatum angeben. Sie verstehen unter Originalen die Modelle, die vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt und vertrieben wurden. Doch der Markt bietet nur noch wenige solche Originale. »Meist wandern die Stücke von einem Sammler zum nächsten«, konstatiert Ulrich Fiedler. Denn es ließen sich in der Weimarer Republik kaum Menschen auf die ästhetischen Experimente der Avantgarde ein; auch der umtriebige Breuer war mit seinen Stahlrohrmöbeln alles andere als erfolgreich. Aber wenigstens kann man nun in Köln eines seiner Unikate bewundern.

Auszug aus einem Artikel von Matthias Ehlert

Autor: Extract from an article by Matthias Ehlert

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